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G 7 Gipfel – Kein Frieden mit der Alpenfestung!

AK Angreifbare Traditionspflege – Neue Folge
G 7 Gipfel – Kein Frieden mit der Alpenfestung!
 
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Naziparadies Deutschland

Zum 61. Jahrestag der Ermordung der jüdischen Brüder
Sleutelberg in Delzijl

Am 4. und 5. Mai begehen die Niederlande den 61. Jahrestag ihrer Befreiung vom Nationalsozialismus. Ebenfalls zum 61. Mal jährte sich am 24 April die Ermordung der jüdischen Brüder Meijer und Lazarus Sleutelberg. Sie wurden kurz vor der Befreiung der Niederlande bestialisch von einem niederländischen und einem deutschen SS-Mann ermordet.
Die SS-Leute zwangen ihre Opfer mit vorgehaltener Waffe ihr eigenes Grab zu schaufeln und erschossen sie. Eine Woche vor Ende des Krieges, die gesamten Niederlande war bis auf den kleinen Streifen um Delzijl schon befreit, „vollendeten“ sie die Auslöschung der jüdischen Gemeinde in Delzijl. Einer der Mörder lebt, Siert Bruins, lebt heute
ungestört im westfälischen Breckerfeld.

Bruins stammt aus einer Familie niederländischer Nazis, die sich sehr früh in der Nationalsozialistischen Bewegung (NSB) organisierten. Aus „jugendlicher großdeutscher Begeisterung“ meldete er sich im Alter von 20 Jahren im Frühjahr 1941 freiwillig zur Waffen-SS. An der Ostfront erkrankte Siert Bruins und wurde nach längerem Lazarettaufenthalt als Polizeiangestellter im Range eines SS-Unterscharführers zum SD-Grenzposten nach Delzijl versetzt.

Brutale Widerstandsbekämpfung

Aus Delzijl waren bereits 1942 die 126 jüdischen Einwohnerinnen und Einwohner nach Westerbork und später in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort
ermordet worden. Nur wenige Juden, unter ihnen die Brüder Sleutelberg, konnten rechtzeitig untertauchen und sich bei Bauern verstecken.
Die mit deutschen und niederländischen Polizeiangestellten besetzte SD-Dienstelle Delfzijl verstärkte nach der alliierten Niederlage in Arnheim im September 1944 die brutale
Verfolgung des Widerstandes. Hierbei tat sich Siert Bruins besonders hervor. Bruins erschoss festgenommene vermeintliche Widerstandskämpfer „auf der Flucht“, beteiligte sich an Razzien gegen untergetauchte Juden und Zwangsarbeiter und war Angehöriger des Exekutionskommandos. Hauptwidersacher des SD in der Region Delfzijl war
1944 die Widerstandsgruppe „Zwaantje“ um die Bauern Omta, Aldert Klaas Dijkema, und dem Tierarzt Jan Siert Reinders. Sie stellten illegale Zeitungen her, hörten alliierte Sender ab, organisierten Lebensmittelkarten und versorgten die „Untergetauchten“ . Auf Anweisung des
Sicherheitsdienstes in Groníngen wurde u.a. Bruins und der deutsche SS-Mann August Neuhäuser beauftragt, die Widerstandsgruppe zu liquidieren. Am 9. September 1944 erschoss Neuhäuser den Bauern Omta auf seinem Bauernhof, am 10. September 1944 Ruurd de Bruin in Winschoten. De Bruin wurde heimlich erschossen und die Leiche in einen
Kanal geworfen. Am 21. September 1944 umstellten SD-Angehörige den elterlichen Bauernhof von A. K. Dijkema in Bierum und nahmen Dijkema fest. Dijkema wurde von Bruins und Neuhäuser in einem PKW in seinen Heimatort Appingedam gebracht und dort
erschossen. Bruins berichtete später Angehörigen der SD-Dienststelle, man habe Dijkma aussteigen lassen und zu ihm gesagt: „Geh mal eben pissen!“ Sie ließen ihn vor sich hergehen und erschossen ihn. Nach dem Mord benachrichtigten die Täter einen niederländischen Polizeibeamten und gaben zu Protokoll, Dijkma sei nach der Sperrzeit angetroffen worden und auf Anruf nicht stehengeblieben. Man habe ihn deshalb „auf der Flucht erschossen“.
Am 30. September 1944 war Baltus Timmer mit anderen Niederländern von der Landwehr verhaftet worden und dem SD ausgeliefert worden. Sie hatten sich versteckt,
um sich der Zwangsarbeit in Deutschland zu entziehen. Baltus Timmer starb am 4.Oktober 1944 durch ein Exekutionskommando des SD, dem auch Bruins angehörte. Neuhäuser gab Timmer den so genannten Gnadenschuss in den Kopf.

Die Gebrüder Sleutelberg

Am 24. April 1945 verübten Bruins und Neuhäuser ihren letzten Mord. Die amerikanischen und kanadischen Truppen hatten zu diesem Zeitpunkt schon das benachbarte Groningen befreit, als Wehrmachtsoldaten auf einem Bauernhof die untergetauschten jüdischen
Brüder Sleutelberg aufgriffen und in das SD-Gefängnis nach Delfzijl brachten. Die Angehörigen der SD–Dienststelle hatten bereits die Flucht mit einem Schiff über den Dollart nach Emden vorbereitet. Trotzdem holten Bruins und Neuhäuser die jüdischen
Brüder aus ihrer Zelle und transportierten sie am 24. April 1945 um 23:00 Uhr mit dem letzten funktionsfähigen Militärfahrzeug am jüdischen Friedhof vorbei zu einem ehemaligen Eisenbahndamm südlich von Delfzijl. Auf dem Eisenbahndamm mussten die Brüder Sleutelberg das Auto verlassen. Ihre Bewacher trieben sie auf eine Wiese, dort händigten die SS-Angehörigen ihren Gefangenen einen Spaten aus und zwangen sie Gräber auszuheben. Nach dem Ausheben der Gräber erschossen sie die Gebrüder Sleutelberg. Mit dem letzten Schiff nach Emden gelang den Mördern und den übrigen Angehörigen des SD-Posten in Delfzijl die Flucht .

Wo ist Bruins?

Die Verbrechen im Raum Delfzijl/ Groningen blieben nach der Befreiung nicht unbekannt. Die niederländische Justiz konnte den deutschen und niederländischen Angehörigen des SD-Grenzpostens in Delfzijl zahlreiche Mordtaten und andere Verbrechen nachweisen. Der Tatbeitrag des nach Deutschland geflüchteten Siert Bruins wurde von einem Militärgericht mit einer Verurteilung zum Tode in Abwesenheit geahndet, das Urteil wurde später in eine
lebenslängliche Strafe umgewandelt. August Neuhäuser und auch andere Angehörige der SD-Jagdkommandos in Delzijl konnten verhaftet und abgeurteilt werden. Nur Siert Bruins blieb verschwunden.

Gefunden

Erst 1978 findet eine Gruppe von Groninger Aktivisten, aus dem Umfeld der jüdischen Gemeinde, das Versteck von Bruins im Ort Breckerfeld bei Hagen. Als ihre
Erkenntnisse bei der örtlichen Staatsanwaltschaft aber auf keinerlei Interesse stoßen, bereiten sie auf eigene Faust eine Entführung Bruins nach Holland vor. Die Vorbereitungen sind sehr fortgeschritten, ein Sportflugzeug steht bereit, Bruins soll mit Hilfe eines Lockvogel zu einem Rundflug überredet werden und schließlich auf niederländisches Staatsgebiet gebracht
werden. Aus unbekannten Gründen scheitert das Vorhaben, schließlich schalten sie den Nazijäger Simon Wiesenthal ein. Wiesenthal fordert in einem Brief an die zuständige Staatsanwaltschaft die sofortige Festnahme des Bruins. Bruins hatte sich mit falschen Papieren als Siegfried Bruns im westfälischen Breckerfeld niedergelassen und eine bürgerliche Existenz mit der Produktion von Jägerzäunen aufgebaut. Er galt als ein angesehener Bürger seines Wohnortes, war Mitglied des Schützenvereins und des örtlichen Kegelklubs. Jeden Sonntag nahm er als Presbyter seinen reservierten Platz in der Kirche ein. Als die Behörden endlich handelten und Bruins zunächst in Auslieferungshaft nahmen, kam es von Seiten der Bürger von Breckerfeld und eines sozialdemokratischen Ratsherrn zu heftigen Protesten und sogar zu Unterschriftensammlungen für die Freilassung des beliebten Nachbarn. Nach 2-monatiger Auslieferungshaft wurde Bruins durch seine SS-Zugehörigkeit zum Deutschen erklärt und konnte nicht mehr ausgeliefert werden und wurde vorerst freigelassen.

Der Strafprozess

Die deutsche Justiz musste sich nun selbst – diesmal aber vor dem Hintergrund
eines massiven internationalen Druckes – mit den Straftaten des Bruins auseinandersetzen. Auch sein Mittäter bei der Ermordung der Gebrüder Sleutelberg und bei den anderen Morden August Neuhäuser, konnte im nahen Dortmund mit Hilfe des Telefonbuchs ausfindig gemacht werden. 1979 kam es vor dem Landgericht Hagen endlich zum Prozess. Angeklagt war aber „nur“ der Doppelmord an den Brüdern Sleutelberg, die Morde an A.K. Dijkma, de Bruin und Omta, die Beteiligung an Genickschüssen und Exekutionskommandos wurden nicht als Mord
qualifiziert und blieben in Deutschland straflos. Aber auch der gemeinschaftliche Mord an den Brüdern Sleutelberg wurde in Hagen nicht als Mord verurteilt. Die Richter mussten zwar die brutale Tatbegehung und „niedere Beweggründe“ einräumen, vermochten aber nicht
die persönliche Tatbeteiligung nachzuweisen. Die Verurteilung wegen gemeinschaftlichem Doppelmord konnte nicht ergehen, weil es nicht nachzuweisen war, wer von beiden Tätern Lazarus und Meijer Sleutelberg erschossen hat. August Neuhäuser und Siert Bruins
wurden schließlich wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Die Urteile waren milde ausgefallen, weil „solange nach Kriegsende (…) nicht mehr das volle Strafbedürfnis bestehen würde“.Neuhäuser bekam eine Haftstrafe von sechs Jahren, die er wegen seiner Haft in den
Niederlanden nicht voll absitzen musste. Bruins wurde zu sieben Jahren verurteilt. Ihm wurde vom Gericht eine gute Sozialprognose attestiert. Nach fünf Jahren war er wieder auf freien Fuß.

Die Grabstelle bleibt unbekannt

Die Ereignisse vom 24. April 1945 sind 2006 in Delfzijl nur noch wenigen bekannt. Die Angehörigen der Widerstandsgruppe „Zwaantje“ sind alle verstorben, an die ermordeten Widerstandskämpfer erinnern aber Gedenksteine und Straßenname. Im Rathaus von Delzijl
steht ein würdiges Gedenkzeichen, dass an die Auslöschung der jüdischen Gemeinde in Delzijl erinnert Nur an die Gebrüder Sleutelberg erinnert nichts. Die verscharrten Körper von Lazarus und Meijer Sleutelberg wurden nie gefunden. Die Mörder haben sich bis heute geweigert die genaue Grabstelle den Angehörigen mitzuteilen. Das Gelände, auf dem die Gräber vermutet wurden, musste einem Industriehafen weichen.

Der Euro-Haftbefehl und die Niederländischen Kriegsverbrecher

Vergessen sind die Verbrechen von Siert Bruins in den Niederlanden keineswegs. Da der Mord an A.K Dijkma und die Beteiligung an den Exekutionen in den Niederlanden
in Deutschland nicht Gegenstand des deutschen Verfahrens, aber sehr wohl Gegenstand des
rechtskräftigen Urteils in den Niederlanden von 1949 war, besteht seit vielen Jahren ein
Auslieferungsersuchen der niederländischen Regierung. Seit 2003 besteht in der EU zudem die Möglichkeit, dass Haftstrafen aus den EU-Ländern auch in Deutschland vollstreckt werden können. Bruins ist nicht der einzige niederländische Kriegsverbrecher, der auf der Liste des niederländischen Justizministers steht. 2006 gibt es noch fünf niederländische Kriegsverbrecher, die seit ihrer Flucht aus den Niederlande unbehelligt in Deutschland leben. Neben Siert Bruins sind das Heinrich Boere (Eschweiler), Klaas Faber, Herbertus
Bikker (Hagen) und Toon Soetebier (Tübingen). Sie gehören zu der Gruppe der 30.000 Niederländer, die für Deutschland in der SS kämpften oder sich als Angehörige der niederländischen Nazipartei NSB aktiv an der brutalen Zerschlagung des niederländischen
Widerstandes und an den Deportationen der Juden beteiligten. Viele der Erschießungen, brutalen Folterungen und Razzien gingen auf das Konto dieser holländischen Nazis. Tausende
niederländische SS-Angehörige und Kollaborateure flüchteten 1945 nach Deutschland und entzogen sich so der niederländischen Justiz. Noch über 300 standen 1980 auf den Fahndungslisten der niederländischen Nachbarn. Auslieferungsgesuche der Niederländer wurden mit dem Hinweis auf den automatischen Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch die Zugehörigkeit zur SS zurückgewiesen.

Anhand der Lebenswege dieser fünf letzten niederländischen NS-Täter lässt sich xemplarisch der deutsche Umgang mit NS-Tätern nach 61 Jahren bilanzieren. Niederländische Kriegs-verbrecher flohen massenhaft nach Deutschland, da ein Himmler-Erlass von 1942 sie automatisch zu Deutschen machte. Sieben SS-Angehörige, u.a Herbertus Bikker aus
Hagen, die in den Niederlande wegen Mordes in Haft saßen, wurden Weihnachten 1952 sogar von einem deutsch-niederländischen Netzwerk aus dem Gefängnis in Breda befreit und – auch das ist in Deutschland nahezu Unbekannt – im Grenzgebiet von FDP-Funktionären wie dem
damaligen Aachener FDP-Geschäftsführer Otto Graf Lamsdorff empfangen, versteckt und schließlich an die Parteiprominenz in Bonn weitergereicht. Die zu diesem Zeitpunkt rechtsradikal ausgerichtete FDP mit dem Ritterkreuzträger Erich Mende an der Spitze forderte gar in aller Öffentlichkeit die Straffreiheit der vom BKA gesuchten Kriegsverbrecher.

Strafverfahren gegen die Mörder aus den Niederlanden wurden, wenn überhaupt nur auf Druck aus dem Ausland und mit geringem Eifer durchgeführt. Deutsche Ermittlungsverfahren wegen der Kriegsverbrechen wurden mit zum Teil bemerkenswerten Begründungen eingestellt. Heinrich Boere, der nachweislich als Mitglied eines Killer-Kommandos der SS unter dem Codewort „Silbertanne“ niederländische Intellektuelle und
Honoratioren eigenhändig in ihren Wohnungen erschossen hatte, ging 1983 in Deutschland straffrei aus, weil die unbeteiligten Opfer nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Dortmund als berechtigte Repressalie ermordet wurden und deshalb auch „meuchlerisch getötet
werden durften.“ Auch im Jahre 2006 sind die Bemühungen eher schleppend, die letzten Kriegsverbrecher doch noch einer wenn auch symbolischen Bestrafung zu unterziehen. Von Mai 2003 ist der letzte Versuch zu datieren, die noch lebenden und in den Niederlanden zu
lebenslänglichem Gefängnis Verurteilten zur Rechenschaft zu ziehen. Ein Rechtshilfeersuchen des niederländischen Justizministers fordert von der Bundesregierung, die fünf Täter ihre „holländische Strafe“ nach neuem EU-Recht in einem deutschen
Gefängnis absitzen zu lassen. Allerdings ist seitdem nichts geschehen. Die deutschen Justizbehörden prüfen den Sachverhalt solange, bis die Täter tot oder
zumindest ärztliche Atteste besitzen, die sie als verhandlungsunfähig deklarieren.
Vielleicht bringt die Neufassung des Euro-Haftbefehls, den Justizministerin Zipries in den nächsten Wochen parlamentarisch durchsetzen will, eine neue Sachlage. Wenn die Regierung sogen. Drogendealer oder Islamisten ausliefern will, dann könnten nach 61 Jahren auch
noch NS-Kriegsverbrecher in den Genuss der „europäischen Freizügigkeit“ kommen.

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„Das Urteil ist extrem wichtig für uns“

sueddeutsche.de muenchenstadt.politik

Scheungraber muss in Haft

12.11.2010, 16:56

Interview: E. Müller-Jentsch

66 Jahre nach der Tat muss Josef Scheungraber in Haft – wegen der Emordung italienischer Zivilisten. Wie der Bürgermeister der toskanischen Kleinstadt Cortona die Entscheidung beurteilt.

„Der Prozess ehrt den deutschen Staat“ – so urteilte Andrea Vignini, Bürgermeister im italienischen 20.000-Einwohner-Städtchen Cortona im August 2009 nach dem vorläufigen Urteil gegen den Ottobrunner Kriegsverbrecher Josef Scheungraber. Auf dem Gebiet dieses Toskanastädtchens ließ Scheungraber im Juni 1944 als Leutnant der Gebirgsjäger ein Rache-Massaker an italienischen Zivilisten exekutieren. Seit Donnerstag ist das Urteil rechtskräftig. Die SZ konnte sich darüber mit Vignini in Italien unterhalten.

Urteilsverkündung gegen Josef Scheungraber, 2009 Bild vergrößern Josef Scheungraber bei der Urteilsverkündung des Landgericht München I im Jahr 2009. (© Robert Haas)

// SZ: Wie haben Sie die Nachricht vom rechtskräftigen Urteil aufgenommen?

Andrea Vignini: Es ist wichtig noch einmal festzuhalten, dass wir nie Rache wollten, sondern einfach nur Gerechtigkeit. Die Nachricht vom endgültigen Urteil nehmen wir positiv, aber ohne große Aufregung auf. Es ist die Bestätigung des Münchner Urteils. Man muss deutlich sagen, dass die deutsche Justiz gut gearbeitet hat.

SZ: Der Täter, der 92-jährige Josef Scheungraber muss möglicherweise ins Gefängnis. So lautet das endgültige Urteil. Ist das aus ihrer Sicht richtig?

Vignini: Der Mann ist wirklich schon sehr alt. Ich denke aber, dass die Entscheidung des Gerichts richtig ist. Aber das ist eine Sache der Justiz, das geht uns nichts an, wir verfolgen diese Frage eher distanziert.

SZ: Was bedeutet das Urteil für ihre Gemeinde?

Vignini: Das Urteil ist extrem wichtig für uns. Wir haben den Fall seit Jahren verfolgt. Das ging beim Militärgericht in La Spezia los, über das Münchner Urteil bis heute. Durch diesen Prozess hat die deutsche Justiz großes Vertrauen bei uns gewonnen. Vor allem in ethischer Hinsicht haben sich die Richter in meinen Augen angemessen verhalten. Es gibt ja sehr viele andere ähnliche Fälle, in denen die Wahrheit nie herausgekommen ist beziehungsweise die Täter nie verantwortlich gemacht wurden. Insofern ist es sehr wichtig, dass es in diesem Fall nun eine endgültige Antwort gibt. Dafür sind wir sehr dankbar. Das Massaker von Falzano bleibt dennoch eine Wunde, die sich nur sehr langsam schließt.

SZ: Hat Scheungrabers Heimatgemeinde Ottobrunn Einfluss darauf, dass sich diese Wunde endgültig schließt?

Vignini: Es gibt keinen Kontakt zu dieser Gemeinde. Eine Geste wäre schön, aber ich schlafe ehrlich gesagt auch so sehr gut.

SZ: Sie feiern jedes Jahr am 25. April, dem Tag der Befreiung von der deutschen Besatzung in Italien, das Gedenken in Falzano. Wie könnte so eine Geste aus Deutschland aussehen?

Vignini: Wenn an der Feier jemand von der Gemeinde persönlich teilnehmen würde, wäre das für uns sehr bewegend. Aber auch ein offizielles Schreiben wäre schon eine Geste der Versöhnung.

SZ: Der Bürgermeister aus Ottobrunn hat damals eine „Ehrenerklärung“ für Scheungraber abgegeben…

Vignini: Ich erinnere mich an diese Erklärung. Aber ich nehme mir keine Kritik heraus. Das geht aber natürlich nicht in die Richtung, über die wir gerade reden.

URL:
http://sueddeutsche.de/muenchen/muenchen/politik/josef-scheungraber-revision-abgelehnt-das-urteil-ist-extrem-wichtig-fuer-uns-1.1023240
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sueddeutsche.de GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
(SZ vom 13.11.2010/hai)

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Kriegsverbrecher Scheungraber muss in Haft

sueddeutsche.de münchen

Revision verworfen

11.11.2010, 17:27

Von T. Soyer und J. Müller-Meiningen

66 Jahre nach der Tat kommt der wegen Kriegsverbrechen verurteilte Josef Scheungraber ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof hat die Revision des 92-Jährigen abgewiesen.

Der wegen Kriegsverbrechen verurteilte ehemalige Wehrmachtsoffizier Josef Scheungraber muss 66 Jahre nach der Tat ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe wies die Revision des in Ottobrunn bei München lebenden Mannes jetzt ab. Damit ist das Urteil des Landgerichts MünchenI vom August 2009 rechtskräftig: Scheungraber ist zu lebenslanger Haft verurteilt wegen zehnfachen Mordes und versuchtem Mord.

Urteilsverkündung gegen Josef Scheungraber, 2009 Bild vergrößern Josef Scheungraber bei der Urteilsverkündung 2009. Nun muss er in Haft. (© lok)

// Die Münchner Staatsanwaltschaft will ihn „zügig, aber nicht überstürzt“ in den nächsten Wochen zum Strafantritt laden, sagte Barbara Stockinger, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ein Sprecher der Karlsruher Behörde hat Recherchen des Bayerischen Rundfunks bestätigt, wonach das Münchner Urteil nun rechtskräftig ist.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er im Sommer 1944 als Führer einer Wehrmachtskompanie den Befehl zu einer Racheaktion gegen italienische Zivilisten im toskanischen Falzano di Cortona gegeben hatte. Dabei wurden elf Menschen in ein Haus getrieben, das die Soldaten anschließend sprengten. Nur einer der Zivilisten, der damals 15-jährige Gino Massetti, überlebte.

Scheungraber hatte die Vorwürfe im Prozess bestritten. In seiner Heimatgemeinde Ottobrunn ist er Träger der Bürgermedaille und war zudem Ehrenkommandant der Freiwilligen Feuerwehr. Die Feuerwehr ging schon auf Distanz, seine Kameraden haben bereits vor einem Jahr einen einstimmigen „Vorratsbeschluss“ gefasst für den nun eingetretenen Fall, dass das Urteil bestätigt wird.

Wie Kommandant Eduard Klas der SZ sagte, wird Scheungraber nun aus allen Feuerwehrlisten gestrichen und er verliert das mit der Ehrenmitgliedschaft verbundene Ehrenkommandantenamt. Klas hadert damit nicht, für ihn ist der Zusammenhang völlig klar: „Wenn seine Vorgeschichte früher rausgekommen wäre, hätte er ja gar nicht Feuerwehrmitglied werden dürfen.“

Ohne Not eine „Ehrenerklärung“ für Scheungraber abgegeben

Schwerer tut sich seine Heimatgemeinde Ottobrunn mit dem nun gültigen Urteil. Im Jahr 2005 wurde dem ehemaligen Gemeinderat Scheungraber die Bürgermedaille verliehen – nach dem Urteil des Landgerichts hatte der Gemeinderat die Ehre nur ausgesetzt. Der Ältestenrat der Gemeinde hat am Donnerstagnachmittag einstimmig den Vorschlag an den Gemeinderat formuliert, Scheungraber die Bürgermedaille abzuerkennen.

Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) hat allerdings weiterhin ein Problem, weil er während des Kriegsverbrecherprozesses ohne Not und aus freien Stücken eine öffentliche „Ehrenerklärung“ für Scheungraber abgegeben hatte, die nun weder dem Münchner noch dem Karlsruher Urteil standhält. Eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung ließ Loderer bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Abgeschlossen ist der Fall dafür für Gino Massetti, den einzigen Überlebenden des Wehrmachtsmassakers von Falzano di Cortona. Er nahm die Nachricht vom rechtskräftigen Urteil am Donnerstag bewegt auf. „Für mich war der Fall bereits abgeschlossen“, sagte er. „Wenn die deutsche Justiz Scheungraber in Ruhe gelassen hätte, wäre es mir auch recht gewesen. Ich habe längst alles verziehen.“ Er zeigte sich aber zufrieden, dass der Fall nun auch seinen juristischen Abschluss gefunden hat.

Massetti sagte: „Ich bin einfach nur froh, dass jetzt alles vorbei ist. Das endgültige Urteil steht fest. Aber ehrlich gesagt tut es mir auch etwas leid. Scheungraber ist ein alter Mann wie ich. Und ich habe in den vielen Jahren vor allem versucht, das alles zu vergessen.“

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Quelle:
(SZ vom 12.11.2010/sonn)

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Späte Strafe

NS-Verbrecher Claas Faber

08.09.2010, 17:36

Von Annette Ramelsberger

Die Vergangenheit holt den Kriegsverbrecher ein: Bislang lebt Klaas Faber unbehelligt in Ingolstadt. Nun drängt Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auf die Auslieferung des 88-jährigen Niederländers.

Der ruhige Lebensabend für den letzten bekannten noch in Deutschland lebenden NS-Verbrecher scheint vorbei zu sein. Die Niederlande wollen offensichtlich bereits in den nächsten Wochen ein formelles Auslieferungsersuchen an die deutsche Regierung stellen, um den gebürtigen Niederländer Klaas Carel Faber doch noch in Haft zu bringen.

Mutmaßlicher SS-Mörder in Aachen vor Gericht Bild vergrößern „Keine Ruhe den NS-Tätern“: Demonstranten halten bei einem Kriegsverbrecherprozess in Aachen ein Transparent hoch.  (© dpa)

Faber ist mittlerweile 88 Jahre alt und lebt seit vielen Jahren unbehelligt im bayerischen Ingolstadt. Zuletzt hatte es 2004 das Landgericht Ingolstadt abgelehnt, den Mann zur Vollstreckung der Strafe an die Niederlande zu überstellen.

Wie Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger der Süddeutschen Zeitung sagte, hat sie am Dienstag mit dem niederländischen Justizminister gesprochen und ist dort auf offene Ohren gestoßen. „Ich freue mich, dass mein niederländischer Amtskollege große Bereitschaft gezeigt hat, mit einem neuen Ersuchen das Urteil gegen Klaas Faber in Deutschland zur Vollstreckung zu bringen“, sagte die FDP-Ministerin.

Damit erhöht Leutheusser-Schnarrenberger auch den Druck auf ihre bayerische Amtskollegin Beate Merk von der CSU. Die hatte angekündigt, den Fall dann schnell zu überprüfen, wenn es ein solches Auslieferungsersuchen geben sollte. „Es sollte nichts unversucht bleiben, um verurteilte Kriegsverbrecher wie Klaas Faber zur Verantwortung zu ziehen“, betonte Leutheusser-Schnarrenberger.

Klaas Faber muss nun doch befürchten, dass er eine lebenslange Haftstrafe verbüßen muss. Der heute 88-Jährige war als ehemaliger SS-Mann 1947 in den Niederlanden wegen mehrfachen Mordes zum Tode verurteilt worden. 1948 wurde das Verdikt in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. 1952 floh er aus dem Gefängnis und setzte sich mit Hilfe eines deutschen Polizisten, eines Kriegskameraden von ihm, über die Grenze ab.

Eine Auslieferung hatten die deutschen Behörden stets abgelehnt. Sie beriefen sich auf einen Erlass aus der Nazi-Zeit. 1943 hatte Adolf Hitler entschieden, dass alle niederländischen Freiwilligen der Waffen-SS automatisch deutsche Staatsbürger sind. 1957 hatte bereits das Landgericht Düsseldorf einen neuen Prozess abgelehnt – aus Mangel an Beweisen.

Zuletzt scheiterte im Jahr 2004 ein Antrag der Niederlande auf Auslieferung. Die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung zweifelt Leutheusser-Schnarrenberger an. Ins Rollen gebracht hatten das neue Auslieferungsverfahren 150 Nachkommen von NS-Verfolgten in Israel.

URL:
http://sueddeutsche.de/politik/ns-verbrecher-claas-faber-spaete-strafe-1.997515

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News

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Nazi executioner strolls in park

Caught ... Klaas Faber walks  in park with wife Jacoba

Caught … Klaas Faber walks in park with wife Jacoba

A NAZI executioner wanted for mass murder and concentration camp atrocities strolls through the park in a picture which shames Germany.

Evil Klaas Faber, 88, looked like an ordinary OAP when The Sun went to confront him about his war crimes.

But his white hair and glasses hide a shocking past as a bloodthirsty killer who volunteered for Adolf Hitler’s notorious SS and a roving Gestapo death squad.

Faber was sentenced to death after being convicted of war crimes in 1947. But his sentence was commuted to life imprisonment, and in 1952 he escaped from prison in Breda, Holland, and fled to sanctuary in Germany.

Demands by Britain and other nations to hand over Faber – listed as the fifth most-wanted Nazi fugitive – have since been rejected by Germany.

Tracked down ... killer's  doorbell

Tracked down … killer’s doorbell

Incredibly, officials still protect the Dutch-born killer and insist he is immune from extradition after Hitler granted him German citizenship as an SS volunteer.

Local privacy laws mean that Germans cannot be told Faber is a war criminal, or see photos of him enjoying his freedom.

But The Sun found Faber in the medieval town of Ingolstadt, where he lives with frail wife Jacoba. The name K. Faber marks the doorbell on his modern flat.

After years as an anonymous office worker at Audi, Faber now enjoys a cosy retirement relaxing in local parks and going on shopping trips in his VW Golf.

Neighbours say the dad of three is quiet, but friendly and polite.

The Sun confronted him and asked if he felt any remorse for his crimes or compassion for his victims and their relatives.

Faber’s smile immediately vanished, replaced by an icy stare and grim silence.

His trial heard he was an enthusiastic Nazi who volunteered to join the SS in 1940, then travelled around northern Holland ruthlessly slaughtering Jews and Dutch resistance fighters.

He rose to become an officer with the notorious SD secret police and worked for the Gestapo as an executioner at Westerbork concentration camp, where teenage diarist Anne Frank was held.

Now ... Klaas Faber as  'quiet' pensioner

Now … Klaas Faber as ‚quiet‘ pensioner

He was convicted of murdering at least 22 victims, but the court heard he personally carried out mass shootings and experts believe the real toll was much higher.

Faber was then one of seven Nazi officers who escaped from Breda prison on Boxing Day 1952.

They fled to Germany, where they were welcomed at the border and given coffee and cakes by sympathetic customs officials.

The gang were given token fines for illegally crossing the border, then set free. German authorities still honour the special privileges granted by Hitler himself to his most hardcore followers.

Faber became a German in 1943 under the „Fuhrer’s Law“ – a personal decree granting German citizenship to foreign Nazi volunteers.

It is the only one of Hitler’s laws never to have been revoked, and Germany still uses it to deny repeated attempts to return Faber to prison in the Netherlands.

Outraged Holocaust campaigners last night urged Germany to stop protecting Faber and hand him over to serve his sentence.

Simon Wiesenthal Centre director Dr Efraim Zuroff said: „He is one of the most evil men alive. For Germany to continue shielding him is a shocking stain on the nation’s reputation.

Then ... Faber as secret cop

Then … Faber as secret cop

„We are talking about someone who volunteered for the SS so he could help Hitler’s regime turn his vile beliefs into reality. He didn’t just support the Holocaust, he actively helped those behind it.

„The families of those he killed deserve justice, and it’s time for Germany to stop hiding behind a law that Hitler brought in.“

Sickened Arnold Karstens, of the charity War Crimes Investigations, said: „It is beyond belief that this man is free. Germany should hang its head in shame.

„Faber’s crimes are so extreme he should die in prison. What makes it even worse is he has never shown remorse. It is sickening to see him enjoying freedom.“

German authorities last night confirmed that Faber was immune from prosecution and extradition, despite repeated requests by the Netherlands to hand him over. State prosecutors decided in 2006 to classify Faber’s crimes as manslaughter. So a time limit on trying him in Germany – which does not apply to murder – has now expired. A spokesman added: „Klaas Faber is a German citizen and cannot be extradited for this.“

b.flynn@the-sun.co.uk

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Reporter spürt NS-Verbrecher auf – er lebt unbehelligt in Deutschland

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Die britische Boulevardzeitung «Sun» hat einen der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher auf eigene Faust ausfindig gemacht. Ein Reporter konfrontierte den 88-jährigen Klaas Faber beim Spazieren mit seinen Taten.

1/3 Der «Sun»-Reporter konfrontiert den NS-Kriegsverbecher Klaas Carel

Faber in Ingolstadt.
http://www.thesun.co.uk

Auf der Liste der zehn meistgesuchten NS-Verbrecher steht auf Platz fünf Klaas Carel Faber. Der in den Niederlanden verurteilte Mörder lebt heute unbehelligt in Deutschland. «Die deutsche Justiz hat ihn nicht nur nie verurteilt, sie hat ihn sogar vor den holländischen Behörden beschützt», schrieb die deutsche Wochenzeitung «Zeit» vor gut einem Jahr in einem Artikel mit dem Titel «Der Demjanjuk aus Ingolstadt».

Und so kam es: Dem Niederländer Klaas Carel Faber werden 22 Morde angelastet. 1944 wird das Gestapo-Mitglied in Holland wegen der Hinrichtung von Gefangenen zum Tode verurteilt. Später wurde seine Strafe in lebenslange Haft umgewandelt. Am 26. Dezember 1952 gelang Faber mit sechs weiteren NS-Kriegsverbrechern die Flucht aus einem Gefängnis in Breda. Die Nazis überquerten die Grenze zu Deutschland, wo sie von deutschen Zollbeamten herzlich empfangen wurden.

Ermittlungsverfahren wurden alle eingestellt

Zwei Tage später bat die niederländische Regierung die Bundesrepublik offiziell um die Verhaftung und Auslieferung der Flüchtigen. Sie wurden zwar rasch gefasst, in die Niederlande kam aber nur einer zurück. Der Grund: Der Bundesgerichtshof erklärte sie zu Deutschen. Laut Grundgesetz dürfen sie daher nicht ausgeliefert werden. Sie haben mit dem Eintritt in die Waffen-SS ihre niederländische Staatsangehörigkeit verloren und die deutsche erworben. Die Rechtsgrundlage ist ein Erlass des «Führers» vom 19. Mai 1943.

Die deutschen Behörden eröffneten zwar Ermittlungsverfahren gegen die verbliebenen sechs Flüchtlinge aus Breda. Aber sie wurden allesamt eingestellt.

Faber lebt seit mehr als 50 Jahren im bayerischen Ingolstadt. Gemäss der «Zeit» wendeten sich im April 2008 Nachkommen von Opfern Fabers an die Regierung in Den Haag mit der Bitte, diese sollen in Berlin erneut um einen Prozess gegen ihn nachsuchen. Bis heute geschah nichts. Seit einem Jahr steht er nun aber auf der Liste der zehn meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums.

«Finsteres Schweigen»

Die britische Boulevardzeitung «Sun» hat Klaas Carel Faber nun in Ingolstadt aufgelauert, wo der 88-jährige mit seiner Frau Jacoba lebt. Die Zeitung schreibt: «Nach Jahren als anonymer Büroangestellter beim Autohersteller Audi geniesst er seinen Ruhestand in Parks und geht mit seinem VW Golf einkaufen.» Nachbarn sagen, der Vater von drei Kindern sei ruhig und freundlich.

Ein «Sun»-Reporter konfrontiert Faber in der Nähe seiner Wohnung mit seiner grausamen Vergangenheit als Kriegsverbrecher. Ob er denn Reue empfinde? Faber habe nicht geantwortet und einen starren Blick aufgesetzt. Die «Sun» nennt es «finsteres Schweigen».

Efraim Zuroff, Direktor des Simon Wiesenthal Centres, sagt: «Er ist einer der bösesten Menschen, die noch leben. Dass Deutschland diesen Verbrecher weiterhin schützt, schadet dem Ruf der Nation gewaltig.»

Die deutschen Behörden haben gegenüber der «Sun» bestätigt, dass Faber nicht ausgeliefert werden könne. Strafrechtlich ist sein Fall längst zu den Akten gelegt.

(bru)

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SS-Mann Klaas Faber in Ingolstadt: Wenn Deutschland dichtmacht

sueddeutsche.de politik

Von Peter Münch und Stefan Mayr

Klaas Faber war für die Waffen-SS im KZ Westerbork. In den Niederlanden wurde er als NS-Verbrecher verurteilt. Seit Jahrzehnten lebt er unbehelligt in Ingolstadt – dank eines Hitler-Erlasses und der deutschen Justiz.

Nun ist er 88 Jahre alt, und wenn Klaas Faber mit seiner Frau spazieren oder einkaufen geht im Ingolstädter Piusviertel, dann schiebt sie eine Gehhilfe vor sich her, und er schreitet aufrecht daneben. Ruhig ist das Leben zumeist, doch neulich hat ihm ein Reporter des britischen Boulevardblatts Sun aufgelauert und gefragt nach all den alten Geschichten – nach seiner Zeit bei der Waffen-SS, nach den Erschießungen, und warum er immer noch in Freiheit lebt, obwohl ihn das Simon-Wiesenthal-Zentrum auf der Liste der zehn meistgesuchten Kriegsverbrecher führt und er in seiner alten Heimat, den Niederlanden, wegen NS-Verbrechen verurteilt wurde.

NETHERLANDS-WWII-JEWS-CAMP-FILE Bild vergrößern Im KZ Westerbork hat Klaas Faber Gefangene bewacht. (© AFP)

Jahrzehnte haben diese Fragen Klaas Faber begleitet, immer wieder hat er die Antwort verweigert, und stets ist er unbehelligt geblieben trotz schwerer Vorwürfe. Auch dem Sun-Reporter, der noch einen Kameramann mitgebracht hatte, offenbarte er nichts. Zu sehen ist, wie Faber die Lippen zusammenkneift und starr geradeaus blickt. Doch nun steht ihm womöglich doch ein Prozess oder die Auslieferung in die Niederlande bevor. Plötzlich ist von verschiedenen Seiten Bewegung in diesen Fall gekommen.

Zum einen kommt sie aus Israel, wo die Wut gewachsen ist über den Umgang der Deutschen mit Faber. 150 Jerusalemer Anwälte haben in einer Petition Justizminister Jaakov Neeman dringend aufgefordert, den deutschen Behörden Druck zu machen. Die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem und das Wiesenthal-Zentrum haben sich dem Aufruf angeschlossen, und vor zwei Tagen hat Minister Neeman dazu nach Angaben seines Sprechers einen Brief an seine deutsche Kollegin nach Berlin geschickt. Bei Sabine Leutheusser-Schnarrenberger dürfte er damit eine offene Tür einrennen, denn sie ist bereits selbst aktiv geworden im Fall Klaas Carel Faber, der bislang alles andere ist als ein Ruhmesblatt für die deutsche Justiz.

Klaas Faber aus dem nordholländischen Haarlem hatte sich niederländischen Gerichtsunterlagen zufolge 1940 freiwillig zur Waffen-SS gemeldet. Seine Aufgabe: die Bewachung von Gefangenen, unter anderem im KZ Westerbork, einem Durchgangslager, das 1944 auch Anne Frank mit ihrer Familie passieren musste. Nach dem Krieg wurde er zusammen mit seinem Bruder Pieter Johan wegen der Ermordung von Gefangenen zum Tode verurteilt.

1948 wurde das Urteil an seinem Bruder vollstreckt, seine Strafe aber in lebenslange Haft umgewandelt. Zusammen mit anderen holländischen und deutschen Kriegsverbrechern saß er dann in der niederländischen Haftanstalt Breda ein – bis zum zweiten Weihnachtstag 1952, als ihm mit sechs anderen die Flucht gelang. Während einer Filmvorführung – man sah zum Festtag „Der Himmel kann warten“ mit Heinz Rühmann, Hans Moser und Theo Lingen – setzten sie sich über den Kohlenkeller ab und flüchteten mit Hilfe von Komplizen über die Grenze nach Deutschland.

Einer der Ausbrecher hat später einmal dem Magazin Stern offenbart, wie sie von den deutschen Beamten im Zollamt Wyler empfangen worden waren: mit Kaffee und Kuchen. „Der Zollamtsleiter war ein Kriegskamerad“, erzählte er. Auf große Nachsicht der deutschen Behörden konnte Faber auch weiter hoffen. Die Niederlande forderten von Deutschland schon nach wenigen Tagen – und später immer wieder – seine Auslieferung. Doch Deutschland machte dicht.

Die Rechtsgrundlage dafür war ein Erlass Adolf Hitlers aus dem Jahr 1943, demzufolge die Mitgliedschaft in der Waffen-SS mit der deutschen Staatsbürgerschaft verbunden war. Der niederländische Nazi Klaas Faber war also nun dank des Führer-Erlasses ein deutscher Bundesbürger – und als Deutscher durfte er nicht in seine alte Heimat ausgeliefert werden. Klaas Faber konnte deshalb unbehelligt in der Bundesrepublik leben.

„Er sollte im Gefängnis sitzen“

Vom Ruhrgebiet zog er 1961 nach Ingolstadt und arbeitet bis zur Rente beim Autobauer Audi. Die Nachbarn beschreiben die Familie als ruhig und zurückgezogen, Journalisten schlägt Faber die Tür vor der Nase zu. Er lebt hier gewissermaßen sogar unter dem Schutz der bayerischen Justiz. Denn 2004 wurde noch einmal ein sogenanntes Vollstreckungs-Übernahme-Ersuchen der Niederlande – Faber sollte seine holländische Strafe in Deutschland absitzen, wenn er schon nicht ausgeliefert wird – vom Landgericht Ingolstadt zurückgewiesen. Dabei beriefen sich die oberbayerischen Richter auf das Landgericht Düsseldorf, das im Jahr 1957 nach einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft die Aufnahme eines Hauptverfahrens gegen Faber aus „Mangel an Beweisen“ abgelehnt hatte.

„Die Entscheidung von 1957 steht einem Freispruch gleich“, sagt der Ingolstädter Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walter. Nach dem Rechtsgrundsatz „Ne bis in idem“ könne eine Person wegen einer Straftat nicht zweimal verfolgt werden. Allerdings kam der Quasi-Freispruch von 1957 offenbar unter zweifelhaften Umständen zustande. Die Niederländer, die weiter auf Auslieferung beharrten, hatten Berichten zufolge die Kooperation verweigert, so dass die Beweislage naturgemäß recht dünn sein musste.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will diesen Zustand nicht akzeptieren. In einem Brief an Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) äußert sie deutlich Zweifel an der Argumentation der Ingolstädter Staatsanwaltschaft: Sie betont, dass die Entscheidung des Landgerichts Düsseldorf „keinen endgültigen Strafklageverbrauch“ zur Folge habe und „unstreitig“ lediglich „eine beschränkte Sperrwirkung“ habe. Die Bundesministerin fordert ihre bayerische Kollegin auf, die zuständige Staatsanwaltschaft nochmals prüfen zu lassen, ob das niederländische Urteil doch noch in Bayern vollstreckt werden könnte. „Eine Wiederaufnahme ist möglich“, heißt es nun aus dem bayerischen Justizministerium. Voraussetzung sei, dass die Niederlande erneut die Übernahme der Vollstreckung beantragen.

In Israel hört man das gern. David Schonberg, der die Petition der Jerusalemer Anwälte initiiert hat, setzt viele Hoffnungen in Leutheusser-Schnarrenberger. Er ist 45 Jahre alt, und eigentlich ist sein Gebiet das Zivilrecht, „Verträge und so etwas, nichts Dramatisches“. Aber es hat ihn aufgerüttelt zu sehen, wie Faber seine Freiheit genießt. Er hat mit dem Sun-Reporter geredet und mit einem niederländischen Journalisten. Und dann ist er aktiv geworden, obwohl er so etwas nach eigenem Bekunden vorher noch nie gemacht hat.

Aber er ist der Sohn von Holocaust-Überlebenden – die Mutter stammt aus Wiesbaden, der Vater aus Polen -, und er stemmt sich gegen das Vergessen. „Die Leute machen einen Fehler, wenn sie denken, das ist schon solange her und keiner lebt mehr“, sagt Schonberg. „Faber ist 88 Jahre alt, und er ist gesünder als die meisten anderen. Er sollte im Gefängnis sitzen.“

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(SZ vom 27.08.2010)

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Offener Brief an den Bundesverteidigungsminister

Offener Brief an
den Bundesverteidigungsminister
Herrn Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg
den Bundesaußenminister
Herrn Dr. Guido Westerwelle,
Frau Dr. Angela Merkel

An die Mitglieder des Deutschen Bundestages

Köln

Sehr geehrte Damen und Herren !

Mit Bestürzung stellen wir fest, dass sich am 8. und 9.Mai zum wiederholten Male ehemalige Angehörige der Wehrmacht und der Waffen-SS zu einem „Feldgottesdienst“ am Denkmal der Gebirgsjäger auf dem Hohen Brendten in Mittenwald versammeln.

Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um das letzte große Treffen von Hitlers Soldaten in Deutschland, an dem auch nachweislich NS-Kriegsverbrecher teilnehmen. Wie historisch zu belegen ist, sind die Gebirgsjäger der Wehrmacht und der Waffen-SS für zahlreiche Kriegsverbrechen, Massaker an der Zivilbevölkerung, und für die Zusammentreibung und Deportation der jüdischen Bevölkerung in unseren Ländern verantwortlich.
Die Mörder der 4000 italienischen Soldaten in Kephalonia, der 317 Zivilisten im nordgriechischen Kommeno, der 97 Zivilisten in Camerino (Italien), die Mörder der Kranken in der Grotte de la Luire/ Vercors, der amerikanischen Kriegsgefangenen in Massa (Italien) und zahlreichen anderen Orten sind von der deutschen Justiz bisher nicht zur Rechenschaft gezogen worden und pflegen ihre verbrecherische Tradition ungehindert bis zum heutigen Tage.

Dabei wählten sie für ihr diesjähriges Treffen ausgerechnet ein historisch bedeutsames Datum, den 65.Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Diese Provokation ist für Opfer- und Verfolgtenverbände untragbar!

Leider wird dieses NS-Kriegsverbrecher-Treffen seit vielen Jahren mit Hilfe der Bundeswehr durchgeführt. Dies lässt auf die Zustimmung durch die deutsche Bundesregierung schließen. Regelmäßig werden Ansprachen von hochrangigen Offizieren der Bundeswehr, wie letztes Jahr
der damalige Inspekteur des Heeres, Hans-Otto Budde, gehalten.
Von Kranzniederlegungen bis hin zu Fahrdiensten für die Veteranen der Gebirgsjäger reicht die Unterstützung, ohne die diese „Traditionspflege“, nicht länger möglich wäre.
Besonders erschreckend ist es, das bei diesen Kameradschaftstreffen in Mittenwald Veteranen der Wehrmacht und nicht bestrafte NS-Kriegsverbrecher seit Jahren ungehindert Einfluss auf Soldaten der Bundeswehr ausüben können. Indirekt wird dadurch eine Verharmlosung, wenn nicht gar eine Leugnung der NS-Kriegsverbrechen begünstigt.

Dies ist schlichtweg ein schmerzlicher Skandal und somit nicht hinnehmbar!

Wir fordern Sie daher auf

Stellen Sie jegliche Unterstützung dieser Veranstaltung durch die Bundeswehr unverzüglich ein!
Verwehren Sie den Veteranenorganisationen von Wehrmacht und Waffen-SS den Zugang zu den Kasernen der Bundeswehr!
Keine Verharmlosung von Kriegsverbrechen!
Keine Toleranz gegenüber Kriegsverbrechern!

Kontakt: angreifbare.tradition@yahoo.de

UnterzeichnerInnen aus Italien

Carlo Enrico Leale, BORGHETTO DI BORBERA, ALESSANDRIA;
figlio del Sotto tenente Ettore Marco Leale deportato in KZ a Mauthausen ( matricola IT 110297 ) assassinato in galleria a MELK a.d. DONAU il 5 aprile 1945; Matteo Sergio Bracco, Vice-Sindaco di Castelnuovo Nigra (TO);  Mauro Sonzini, studioso di Resistenza e Democrazia, vicepresidente ANPI Giaveno-Valsangone Rossana Valtorta, Associazione Nazionale Partigiani ItalianiMonza; Valerio Cheli, membro della Chiesa Evangelica Valdese di Firenze, gruppo di diaspora di Pistoia ; Angela Rigoli, Padova;  Fulvia Candeloro – Tuscany;  Beatrice Rabaglia – Tübingen; Monica Venturelli;  Enrico Modigliani;  Margherita Granero
Torino; Dr. Sergio R. Fogagnolo, Dresano MI;Carla Cavazzi e Armando Rabaglia; Michelangelo Ferragatta Torino, città medaglia d’oro della resistenza italiana Italia ; Associazione La Barberia-Bologna;Collettivo Officina Milano;Anpi-Sez.E.Curiel-Milano;Bianca Pividori-ricercatrice; Vladimiro Cantaluppi-musicista; Agide Gelatti e Rosangela Zumerle,;  Rossella Ratti; Marisa Alliod, Elisabetta Lombi;  Annalisa Govi;  Maria Pia Simonetti, Aosta;  Sandro Mogni; Avv.Antonio Caputo (Difensore Civico della Regione Piemonte);Arianna Alfieri , Dr. Giovanni Panno, Tübingen;
figlia del superstite Natale Pia  kz 115658 Mauthausen-Gusen
e nipote di Vittorio Benzi kz 115373 morto di fame e fatica a Mauthausen-Gusen a 17 anni, Biagio Benzi kz 43493 superstite di Flossenbürg  e Giovanni Benzi, kz 7332 superstite di Bolzano,
tutti partigiani vittime del rastrellamento avvenuto nella zona di Nizza Monferrato il 3 dicembre 1944; Marianne Wienemann,
Vezzano sul Crostolo/Italien

Lettera aperta

Al ministro della Difesa Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg,
al ministro degli Esteri Dr. Guido Westerwelle,
al capo del Governo Frau Dr. Angela Merkel

Apprendiamo con stupore che in data 8 e 9 maggio 2010 si incontrano di nuovo ex appartenenti alla Wehrmacht e alla Waffen-SS per una messa a cielo aperto presso il monumento degli alpini tedeschi sul monte Hohen Brendten in località Mittenwald.
Questo raduno è l’ultimo grande incontro dei soldati di Hitler, partecipato anche da criminali di guerra. Sappiamo che gli alpini tedeschi sono responsabili di numerosi massacri, sono gli assassini dei 4000 soldati italiani a Cefalonia, dei 317 civili nel paese greco di Kommeno, di decine di civili a Camerino, degli ammalati nella grotta de la Luire/ Vercors, dei prigionieri americani a Massa… Fino ad oggi non sono stati condannati dalla Giustizia tedesca ed anzi continuano a trasmettere la loro idea di tradizione senza alcuno scrupolo. Quest’anno hanno scelto per la loro „festa“ l’anniversario della Liberazione dal nazismo. Questa provocazione è inaccettabile!

Purtroppo l’esercito tedesco attuale, la „Bundeswehr“, sponsorizza l’evento: alti ufficiali tengono comizi, depongono fiori e mettono a dispozione un servizio navetta per i più anziani. Così da anni, durante questo raduno annuale degli alpini a Mittenwald i veterani della Wehrmacht ed altri criminali nazisti non puniti possono liberamente „fraternizzare“ con i giovani soldati. E‘ un triste scandalo.

Perciò chiediamo:
si tolga qualsiasi supporto ufficiale della Bundeswehr a questo raduno.
si vieti l’accesso dei veterani di Wehrmacht e Waffen-SS alle caserme della Bundeswehr.
si informino i giovani soldati e tutta la società sui crimini di guerra perpetrati dagli alpini tedeschi.

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